Das duale Studium

Mach zwei –
Ausbildung und Studium im Doppelpack

Anstrengend, aber lohnend. Zumindest für den, der für seinen späteren Beruf brennt und sich regelmäßig die Vorteile eines dualen Studiums vor Augen führt. Für alle anderen ist es – anstrengend. Und damit ist nicht gemeint, dass ein Studium nicht ohnehin schon anspruchsvoll ist. Die meisten dualen Studiengänge bieten Fachhochschulen und Berufsakademien an.

Keine Semesterferien, kaum mal ein Wochenende zum Ausgehen. Dafür aber eine Ausbildung in einem Unternehmen, gekoppelt mit einem Bachelor-Studium, um Theorie und Praxis von Anfang an zu verbinden. Zwei Standbeine verbessern die Chancen im nachfolgenden Berufsleben. Zumindest sprechen dafür die steigende Zahl an dualen Studienmöglichkeiten und der Run der Abiturienten auf diese Form der Ausbildung. 

Die Vorteile eines dualen oder ausbildungsintegrierenden Studiengangs liegen auf der Hand: Die Ausbildung ist betont anwendungsbezogen, die Gesamtausbildungszeit für Lehre und Studium verkürzt sich, der Ausbildungsbetrieb zahlt eine Vergütung. Andererseits wird viel Lerndisziplin, Zeitmanagement und Motivation verlangt. In den Semesterferien wird im Unternehmen gearbeitet oder die Berufsschule besucht und ein Teil der Vergütung fließt eventuell in zu entrichtende Studiengebühren.

Unterschiedliche Ausprägungen

Das Studium im Praxisverbund bezeichnet verschiedene Formen der Kombination von Hochschulstudium und betrieblicher Praxis. Es gibt

  • ausbildungsintegrierende Studiengänge, bei denen in der Regel zusätzlich eine berufliche Erstausbildung absolviert wird; ein abgeschlossener Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen ist Voraussetzung. Zudem wird ein Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf zusätzlich zu Bachelor erworben.
  • kooperative oder praxisintegrierende Studiengänge, bei denen die Studierenden mit einem Unternehmen einen Vertrag abschließen und neben ihrem Studium in diesem Unternehmen arbeiten, jedoch keinen Ausbildungsabschluss erwerben.
  • berufsbegleitende oder berufsintegrierende Studienangebote, die neben einer bestehenden Berufstätigkeit absolviert werden oder die ausgeübte Berufstätigkeit in die hochschulische Ausbildung einbeziehen. In der Regel wird das Studium mit einer Teilzeittätigkeit kombiniert.
  • Fernstudiengänge für Berufstätige.

 

 

 Technische Fachbereiche sind

  • Bauwirtschaft / Bauwesen,
  • Elektrotechnik / Automatisierungstechnik,
  • Engineering technischer Systeme,
  • Informatik,
  • Informations- und Kommunikationstechnologie,
  • Klimasystemtechnik,
  • Konstruktion,
  • Maschinenbau,
  • Mechatronik/Automation,
  • Metallbau,
  • praktische Informatik,
  • technische Informatik,
  • technisches Management,
  • Versorgungs- und Umwelttechnik,
  • Wirtschaftsingenieurwesen/technische Betriebswirtschaft,
  • Baubetriebsmanagement,
  • Wirtschaftsinformatik.

Im Bereich Wirtschaft werden unter anderem

  • Baubetriebswesen,
  • Industriemanagement,
  • Verkehr/Logistik,
  • Wirtschaftsinformatik.

angeboten.

Die DB AG kooperiert allein mit 16 Berufsakademien, dualen Hochschulen und Fachhochschulen in den Bereichen Ingenieurwesen, Informationstechnik und Betriebswirtschaft. Die mit Ingenieurstudiengängen verbundenen Berufsausbildungen sind Elektroniker, Tiefbaufacharbeiter/Gleisbauer, Eisenbahner im Betriebsdienst/Fahrweg und Mechatroniker. Bei der Hering Bau GmbH & Co. KG kann zum Beispiel eine Ausbildung zum gehobenen Baufacharbeiter (Beton- und Stahlbetonbauer/-in) mit einem Bauingenieurstudium an der FH Köln verbunden werden. Ebenso bieten – neben vielen anderen - die Firmengruppe Max Bögl (Baumanagement, Bauingenieurswesen), die Häfen und Güterverkehr Köln AG (Logistikmanagement, Industriemanagement) und natürlich auch Unternehmen wie Siemens duale Studienmöglichkeiten an.

Nach Angaben der Initiative „Think Ing.“ bleiben zwei Drittel aller Absolventen in ihren Unternehmen. Einige Betriebe koppeln an ihre Bereitschaft, die Studiengebühren zu übernehmen, auch die Verpflichtung für den Auszubildenden, nach beendetem Studium eine Zeit lang im Unternehmen zu bleiben.

Tim Voigt , Duales Studium Bauingenieurwesen

Tim Voigt hatte sich für ein duales Studium bei der Deutsche Bahn AG entschieden: „Ich habe 2007 mit dem dualen Studium bei der Deutschen Bahn begonnen. In den ersten Monaten erfolgte eine Grundausbildung Bau im Ausbildungszentrum der Bauindustrie in Essen. Später wurde diese Ausbildung mit dem Hochschulstudium verknüpft.

2009 habe ich meine Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter beendet. Ein Jahr später schloss ich die Ausbildung zum Gleisbaufacharbeiter erfolgreich ab. Das Studium absolvierte ich während der ganzen Zeit parallel dazu. In der vorlesungsfreien Zeit habe ich zusätzliche Kurse bei der Deutschen Bahn besucht. Außerdem konnte ich bei meinen Einsätzen im Regionalbereich Ost der DB Netz AG praktische Erfahrungen sammeln. Dabei habe ich sowohl mit Ingenieuren als auch mit Meistern gearbeitet.

Das Aufgabenspektrum war bei dieser Zusammenarbeit sehr breit gefächert und ich konnte viel von den `alten Hasen´ lernen. In meinen vorlesungsfreien Zeiten war ich im betrieblichen Einsatz bei der DB Netz AG tätig und lernte erste Aufgaben meiner Zielfunktion als Bauüberwacher kennen.

Nach meinem BA-Abschluss in Bauingenieurwesen habe ich als Ingenieur in der Anlagenplanung in Berlin meine Qualifizierung hin zu meiner Zielfunktion begonnen. Hier werde ich sukzessive an die Tätigkeiten eines Bauüberwachers bei der DB Netz AG herangeführt und bekomme tiefgreifende Eindrücke von der Arbeit der Projektleitung. Nach meinem Einsatz in der Anlagenplanung Berlin geht es zur Produktionsdurchführung Schwerin, wo nach heutigem Stand meine Zielfunktion sein wird.“

Recherchemöglichkeiten

Aktuell sind über 900 duale Studiengänge recherchierbar. Unternehmen stellten in 2012 in allen Bereichen zusammen etwa 64 000 solcher Ausbildungsplätze zur Verfügung, bedeutend mehr als im Jahr zuvor. Besonders in den Mint-Fächern wächst das Angebot von Jahr zu Jahr.

Hier geht es zu den dualen Studiengängen.