Frederik Leuwer

Frederik Leuwer schließt in diesem Sommer sein Studium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen ab. Als künftiger Maschinenbau-Ingenieur mit dem Schwerpunkt Schienenfahrzeugtechnik gehört er zu einer gefragten Gattung von Berufseinsteigern. In seiner Diplomarbeit entwickelt er zurzeit ein Konzept zum Um- und Ausbau des Bremsenprüfstandes im Labor des Instituts für Schienenfahrzeugtechnik an der RWTH. „Da steckt eine Menge Arbeit drin“, sagt der angehende Diplom-Ingenieur im Gespräch mit Zukunftsbranche Bahn.

Den Düsseldorfer zog es direkt nach Abitur und Zivildienst zum Studium nach Aachen. Dort nahm er das Grundstudium im Fach Maschinenbau auf. In dem breiten Spektrum, das die RWTH in diesem Bereich bietet, war er sicher, etwas zu finden, das ihn interessiert. „Die RWTH ist im Ingenieurbereich unheimlich breit aufgestellt. Es gibt sehr viele Vertiefungsmöglichkeiten, für die man sich entscheiden kann“, sagt Frederik Leuwer. Auch Freunde und Bekannte aus der Schulzeit empfahlen ihm die Hochschule in Aachen. In der Oberstufe hatte er seine Hauptfächer weitgehend nach persönlichem Interesse gewählt. Ein Leistungskurs Mathematik war dabei. Das sei zwar nicht zwingende Voraussetzung für das Maschinenbaustudium, „aber es hilft schon weiter“, sagt der 28-jährige Absolvent heute.

Komplexe Technik

Frederik Leuwer am BremsenprüfstandNach dem Vordiplom wählte Leuwer die Vertiefungsrichtung Schienenfahrzeugtechnik. Im Vorfeld hatte er bereits Gelegenheit, sich aus erster Hand über die verschiedenen Institute und ihr Studienangebot zu informieren. An Schienenfahrzeugen hatte er aber schon immer ein großes Interesse. Von Kindesbeinen an, sozusagen? „Auf jeden Fall“, sagt Leuwer. Es begann mit der Holzeisenbahn im Kinderzimmer und dem Onkel, der als technischer Zeichner in der Bahnindustrie arbeitet und früher regelmäßig genötigt wurde, ihm eine Straßenbahn zu malen.

Wie komplex Schienenfahrzeuge aufgebaut sind, wie viel Technik zum Beispiel allein hinter der Spurführung oder den Drehgestellen steckt, hatte Leuwer vorher nicht erwartet. Auch die hohe Leistungsfähigkeit von Bahnfahrzeugen sei für ihn zunächst überraschend gewesen. „Wie viel mehr Power diese Züge im Vergleich zu Autos haben, ist schon beeindruckend“, sagt Leuwer. Im Hauptstudium lernte er nicht nur theoretisch, welch komplexe Technik in einer Lokomotive steckt. Im Labor gab es so verschiedene Übungen wie Gleislagemessungen, Zugkraftmessungen an einer Dampflokomotive oder Komfortmessungen in modernen Nahverkehrszügen. Mit Messgeräten und Laptop ausgestattet nahm die Übungsgruppe zum Beispiel Daten zum Fahrkomfort in einem Regionalexpress auf. Anschließend wurden die Ergebnisse mit der Fahrt im Kleinbus verglichen. „Da packt man wirklich mal praktisch an. Das war schon sehr interessant“, sagt Leuwer.

Praktische Erfahrungen

Teil seines Studiums an der RWTH sind insgesamt sechs Monate Praktikum. Sechs Wochen davon war er bei Siemens in Krefeld an der Produktion des neuen ICE 3 für die Deutsche Bahn AG und verschiedener Regionalzüge beteiligt. Besonders interessant war es, die Arbeit des Ingenieurs an der Schnittstelle eines großen Produktes kennenzulernen. „Die guten Kontakte des Instituts in die Industrie bieten den Studenten an der RWTH spannende Praktikumsmöglichkeiten“, erklärt Leuwer. Als studentische Hilfskraft hatte er zudem Gelegenheit, an Forschungsprojekten des Instituts für Schienenfahrzeuge mitzuarbeiten und weitere wichtige praktische Erfahrungen zu sammeln.

Jetzt sind es nur noch wenige Wochen bis zu Abgabe der Diplomarbeit, die nach etlichen Klausuren und zwei Studienarbeiten den allerletzten Teil des Studiums bildet. Leuwer hat die Aufgabe übernommen, den kompletten Umbau des institutseigenen Bremsenprüfstandes zu planen. Das Gerät soll für den Test bei höheren Geschwindigkeiten und Lasten ausgebaut werden – eine anspruchsvolle und umfangreiche Aufgabe: Leuwer unterzieht den gesamten Prüfstand einer Optimierung unter technischen Aspekten, muss dabei aber auch die Kosten berücksichtigen.

Der Traumarbeitsplatz nach dem Studium? Am liebsten möchte er in der Entwicklung und Konstruktion von Personenfahrzeugen arbeiten – ob Highspeed oder Regionalverkehr sei gar nicht so entscheidend. Aber auch das Umfeld und die Konditionen müssten stimmen, meint Leuwer.

Foto: RWTH Aachen