„Bildung ist das A und O“: Andreas Schebeler über den Wert von Aus- und Weiterbildung
Andreas Schebeler, Leiter der LBS Akademie, nimmt den „Tag der Bildung“ zum Anlass, die Werthaltigkeit von Aus- und Weiterbildung sichtbar zu machen.
Wie wichtig ist es, dass es einen „Tag der Bildung“ gibt?
Sehr wichtig. Was man schon daran erkennt, dass es deren zwei gibt. Den deutschen Tag der Bildung jährlich am 8. Dezember. Und den Internationalen Tag der Bildung, ausgerufen von den Vereinten Nationen, der am 24. Januar im Kalender steht. Dieses Jahr also am kommenden Samstag. Er ist gerade erstmal acht Jahre alt, wurde also vergleichsweise spät ins Leben gerufen, wenn man es an der Bedeutung misst, die ihm die UN ins Stammbuch geschrieben hat: „Bildung ist das A und O, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu beseitigen und die Wirtschaft anzukurbeln.“
Was bedeutet dieser Tag für Sie?
Als Leiter der LBS Akademie sind Aus- und Weiterbildung meine tägliche Aufgabe. Aus meinen vielen Jahren als Personalverantwortlicher in Unternehmen kann ich unendlich viele Beispiele dafür aufzählen, wie Investitionen in die Bildung von Mitarbeitenden eine Wende zum Besseren herbeigeführt hat – fürs Individuum genauso wie für die ganze Organisation. Das fängt beim sprachlichen Verständnis für Aufgaben und Regeln an, umfasst die vielfältigen Optionen zur klugen Anwendung verfügbarer Werkzeuge und reicht bis zum Impuls für Führungskräfte, wie sie in ihren Teams die Freude am Lernen anstoßen.
Geht’s noch ein bisschen konkreter?
Gern. Nehmen wir die Aufgabe der Integration von Menschen aus anderen Kulturen, sowohl in die eigene Workforce wie auch in die Partnerschaft mit Kunden. Aus meiner Sicht trägt Bildung entscheidend dazu bei, dass wir nicht nur beim Reden sondern auch beim Zuhören übereinander „im Bilde“ sind. Das kann man lernen, das kann man trainieren – aber erst, wenn man es verinnerlicht hat, entfaltet sich ein größeres Verständnis. Ähnlich ist die Situation bei Auszubild enden – sehen Sie: da ist das Wort schon wieder! – die zuerst Kenntnisse erwerben und sich dann in deren Anwendung vertiefen.
Wie weit ist dieses Verständnis schon in der Allgemeinheit angekommen?
Ich bin zuversichtlich, weil ich seit einigen Jahren eine positive Entwicklung beobachte. Bildung ist nicht mehr ein erreichter Zustand, idealerweise noch durch ein Zeugnis oder Diplom zertifiziert. Bildung ist ein fortlaufender Prozess, der es uns erlaubt, kompetent und selbstbewusst unsere Rolle im Leben und in der Arbeit wahrzunehmen. Aktuell lässt sich das an einem anderen Prozess feststellen, der Digitalisierung. Auch dort ist heute nichts mehr so, wie es gestern war – und morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Kontinuierliche Aus- und Weiterbildung ist hier der Treibstoff, der unseren Motor am Laufen hält und unsere Position sichert.
Ist das aus Ihrer Sicht der Grund, warum Unternehmen in die Bildung ihrer Mitarbeitenden investieren sollten?
Gehen wir von John F. Kennedys berühmten Satz aus: „Es gibt nur eins, was teurer ist als Bildung: keine Bildung!“ Da brauchen wir keinen Controller, um gedanklich durchzuspielen, an wie vielen Stellen in unserer Firma sich das bewahrheitet. Gerade in der Logistik hat jeder schon mal erfahren, wie kleine Momente von Unwissenheit, mangelnder Erfahrung oder Unverständnis zu einem eigentlich vermeidbaren Schaden geführt haben. Kurzum: Der Grund ist klar, die Frage stellt sich nicht.
Der Tag der Bildung ist ein Samstag, also für viele Menschen arbeitsfrei. Was tun Sie übermorgen für Ihre Bildung?
Ich nutze den Abstand von Schreibtisch und Telefon zum Nachdenken. Die Woche über hat sich so Vieles angesammelt, was eine zweite Betrachtung wert ist und worin vielleicht mehr steckt, als es auf den ersten Blick scheint. Dafür nutze ich meine samstägliche Nachdenkstunde. Wenn möglich jeden Samstag, nicht nur am kommenden.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schebeler!